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Autonomes Fahren ist näher als gedacht

15. November 2021

Busse, die ohne Fahrer unterwegs sind oder Pakete, die ohne menschliches Zutun ausgeliefert werden? Das klingt für die meisten doch immer noch sehr nach Science-Fiction. Dass die Mobilität von morgen aber schon näher ist, als viele denken, konnten Interessierte beim Bürgerdialog von Stadt und Hochschule Heilbronn zum Testfeld autonomes Fahren Baden-Württemberg auf dem Bildungscampus erfahren. Neugier wecken, informieren und auch Ängste nehmen stand dabei im Vordergrund.

Nikolai hüpft mit einer Getränkeflasche vor die Kamera. „Schau“, ruft der Zehnjährige der gleichaltrigen Svenja zu, „die kann erkennen, dass das eine Flasche ist.“ Die Kinder finden die künstliche Intelligenz, die hinter autonomem Fahren steht, extrem spannend und cool, aber auch ein bisschen gruselig, wenn da keiner fährt. Ob sie dann mal keinen Führerschein mehr machen? „Nee, den braucht man schon, vielleicht zum eingreifen“, sind sie überzeugt.

Ja, die Sicherheit beschäftigt viele, wie auch die eingereichten Fragen aus der Besucherrunde an Nicole Dierolf, Moderatorin der Podiumsdiskussion, zeigen. Ihre Gäste sind Elke Zimmer, Staatssekretärin im Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Jens Boysen, zuständig fürs Verkehrs- und Mobilitätsmanagement der Stadt Heilbronn, Dr. Heinrich Gotzig von der Firma Valeo Schalter und Sensoren GmbH, Stephan Tschierschwitz von der Schwarz Mobility Solutions GmbH, und Professor Dr.-Ing, Raoul Zöllner, der an der Hochschule Heilbronn zu diesem Thema forscht.

Alle sind sich einig, dass autonomes Fahren viele Chancen birgt. „Wir sind wissenschaftlich sehr weit, aber leider lässt sich nicht immer alles gleich umsetzen“, gibt Zöllner zu. Da müsse sowohl bei der Industrie als auch in der Gesellschaft noch einiges getan werden. Für das Verkehrsministerium ist diese Art der Mobilität sowohl ein wichtiger Baustein hin zur Klimaneutralität als auch Teil der Vision Zero, also Verkehr ohne Verletzte und Tote. „Wir haben jetzt gerade keine sichere Situation auf den Straßen, vor allem für die schwächsten Teilnehmer Radfahrer und Fußgänger, die Sicherheit wird autonomes Fahren auf jeden Fall erhöhen“, betont Zimmer. Um die Menschen zu überzeugen, müsse man nicht nur diesen Aspekt immer wieder hervorheben, sondern sie auch davon überzeugen, dass das eine Mobilität ist, die Spaß macht. „Das ist ja keine Selbstkasteiung, wenn ich mich in so einen Bus setze.“

Während auf dem Podium noch diskutiert wird, schauen sich einige Besucher bei den Themeninseln um, staunen über die verschiedenen Sensoren, die so ein selbstfahrendes Fahrzeug benötigt. Im Außenbereich sind auch die echten Fahrzeuge zu sehen, die auf dem Testfeld benutzt werden. Viele kennen schon das „Paxi“, das Paket-Taxi, das auf der Buga selbständig Pakete an die Bewohner im Neckarbogen auslieferte. Unbekannter ist ein Kleinbus, der ab Mai 2022 den Bahnhof mit der experimenta als autonomes Shuttle verbinden soll.

 

„Mit unserer angewandten Forschung in den Bereichen autonomes fahren und künstliche Intelligenz sind wir Treiber bei der Umsetzung neuer Mobilitätstechnologien in der Region. Immer auch im Schulterschluss mit kommunalen und Unternehmenspartnern, sagt Professor Oliver Lenzen, Rektor der Hochschule Heilbronn. "Dazu verstehen wir uns aber auch als Mittler der Forschung in die Gesellschaft - gerade mit solchen Veranstaltungen."

Mike Sautter, Entwickler an der HHN, und Doktorand Dominic Waldenmayer haben über den Nachmittag viele Fragen beantwortet. „Es waren viele fachfremde Menschen da, dadurch sind viele Themen aufgekommen, an die man als Entwickler gar nicht so denkt“, freut sich Sautter. Viele wollten vor allem wissen, wann man denn damit fahren kann. Lang dauert es wohl nicht mehr.

Über das Projekt "Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg"
Das Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg ist ein vom Verkehrsministerium des Landes gefördertes Projekt der Forschungseinrichtungen Karlsruher Institut für Technologie, Fraunhofer IOSB, Hochschule Heilbronn, Hochschule Karlsruhe und FZI Forschungszentrum Informatik sowie der Kommunen Karlsruhe, Bruchsal und Heilbronn. Der Bürgerdialog, der parallel in Heilbronn und Karlsruhe stattfand, markierte den Abschluss des wissenschaftlichen Aufbaus des Testfeldes, das weiterhin durch Unternehmen und Förderprojekte genutzt werden kann.

Der Aufbau des Testfeldes wurde 2016 begonnen, 2018 folgte die Inbetriebnahme. Insgesamt sind Stand November 2021 nun rund 200 Kilometer Straßennetz in 3-D kartographiert, über 100 Sensorsysteme an Kreuzungen verbaut und 10 Versuchsfahrzeuge auf der Strecke unterwegs. „Solch eine Infrastruktur wie Heilbronn durch das Testfeld erhalten hat, hat nicht jede Stadt - das ist eine riesige Chance für die gesamte Region Heilbronn-Franken“, sagt der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel beim Bürgerdialog. Auf dem Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg können Firmen und Forschungseinrichtungen zukunftsorientierte Technologien und Dienstleistungen rund um das vernetzte und automatisierte Fahren im alltäglichen Straßenverkehr erproben, etwa automatisiertes Fahren von Autos, Bussen oder Nutzfahrzeugen wie Straßenreinigung oder Zustelldienste. Zudem lassen sich die regulatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen evaluieren und fortschreiben.

 

Text- und Bildquelle: Stadt Heilbronn